Mein Leben schien nahezu perfekt zu sein. Nach langem Kinderwunsch , seit unserer Hochzeit 1997 sollte unser Wunsch im Mai 2000 endlich , dank der modernen Medizin in Erfüllung gehen! Meine Frau ist schwanger. Doch Komplikationen treten auf, der Körper versucht das Kind abzustoßen, so dass meine Frau viel liegen muss um unser Kind nicht zu verlieren. Darauf folgt ein Schwangershafts Diabetes. Dank der tollen Versorgung durch Fachärzte wächst unser Baby gut heran.
Einen Abend im September wurde ich zu einem damaligen Arbeitskollegen zum Geburtstag eingeladen. Wir hatten viel Spaß und ich trank ein paar Bier. Das dieses mir (durch die blutverdünnende Wirkung) vielleicht das Leben retten werde, wusste bis dahin, denke ich niemand. Als ich mit meiner schwangeren Frau abends wieder zuhause eintraf, ging ich wie jeden Abend ins Bett. Diese Nacht veränderte mein ganzes leben. Mitten in der Nacht wurde ich von heftigen Kopfschmerzen geweckt und starke Übelkeit überkam mich. Ich dachte, vielleicht hatte ich doch ein Bier zuviel getrunken. Nachdem ich mich Übergeben hatte und zurück in mein Bett wollte, merkte ich dass irgendetwas mit mir nicht stimmte. Ich konnte mich nicht aufstellen, irgendwie rutschte das linke Bein immer weg. Ich wollte zurück ins Bett krabbeln doch auch der linke Arm ließ mich im Stich. Irgendwie robbte ich mich dann zurück ins Bett und versuchte leise zu sein ,um meine von der Schwangerschaft erschöpfte Frau nicht zu wecken. Irgend wann aber wachte sie auf und bemerkte das irgend etwas nicht in Ordnung sei . Sie wollte den Notarzt rufen, doch ich wollte nicht. Ich dachte ich hatte halt zuviel getrunken. Ohne mein Wissen rief dann meine Ehefrau unseren Hausarzt an, der mich sprechen wollte. Als ich versuchte zu reden, wurde meine Sprache undeutlich .Der Hausarzt erschien sofort. Beim eintreffen des Arztes verzog sich meine linke Gesichtshälfte nach unten und ich konnte nicht mehr sprechen. Der Doktor sagte nichts, sondern rief gleich den Notarzt an, der auch einige Minuten später prompt erschien. Ich bekam Infusionen und wurde sofort mit Sonderrechten in die nächstliegende Klinik gefahren. Ich weiß ab hier nichts mehr und schreibe nun die Ereignisse auf wie sie mir erzählt wurden. Mein Hausarzt sagte zu meiner schwangeren Frau:,, Das sieht nicht gut aus mit Nando.“ Sie sollte mit privatem PKW dem Krankenwagen folgen, da dort drinnen kein Platz sei wenn sie schnell handeln müssen.
Meine Frau fuhr mit ihrem Eltern, die im selben Haus wohnen wie wir, hinterher ins Krankenhaus. Die Schwester von meiner Frau unterrichtete währenddessen meine Eltern über das schlimme Ereignis .Sie müssen einen Teufelsritt gehabt haben. Sie kommen aus Holland. Inzwischen ist meine Frau in der Klinik eingetroffen. Ich befinde mich auf der Intensivstation, bekomme nur kleine Teile im Dämmerzustand mit. Alle sollen an meinem Bett gestanden haben. Ich weiß von nichts. Der Arzt ruft meine schwangere Frau und meine Eltern ins Sprechzimmer. Er erzählt daß ich einen Schlaganfall im Kopf hatte. Ich müsse verlegt werden ,nach Hamburg, falls man mir die Schädeldecke öffnen müsse um Druck abzulassen. Jetzt ist warten auf den Hubschrauber. Der Arzt will ehrlich sein, auch schlimm das er meiner Frau, in ihrem Zustand, dieses erzählen muss .Seine Worte:,, Verabschieden sie sich vorsichtshalber ihrem Mann, Ich weiß nicht ob er heil in H.H ankommt.“ Der Zustand ist kritisch. Meine Frau steht neben mir, darf nicht sagen was mit mir ist, was mit mir passiert. Darf nicht weinen. Der Hubschrauber ist da. Ich werde zum Hubschrauber gebracht, meine Familie steht da und muss zuschauen wie ich verlegt werde. Meine Frau, Eltern und Schwiegereltern machen wieder einen Höllentrip nach Hamburg durch.
Keiner im Auto spricht. Jeder darf mich einzeln, in steriler Kleidung kurz auf der Intensivstation besuchen. Ich merke nichts. Gesprochen soll ich haben, wie ein Betrunkener durch die linke, gesackte Gesichtshälfte. Meine Frau hat ein Ultraschallfoto von unserem Ungeborenen Baby mitgebracht. Eine Schwester hängt es an die Decke, das ich es sehen kann. Mein Gott ich will leben! Ich will für meine Frau und mein Baby weiterleben. Ich will mein Baby sehen, das im Februar geboren werden soll. Mein Familie, sie soll schlafen und Kraft schöpfen. Aber mal ehrlich, kann man das? Am nächsten morgen sind mein Werte ein wenig besser und ich werde auf die Stroke Unit verlegt. Meine Familie sollte sich bei der Ärztin melden und sich nach dem Gesundheidzustand von mir erkundigen.
Mein Vater ruft an. Die Ärztin berichtet das ich bessere Werte habe und eine Schädelöffnung, wahrscheinlich nicht mehr erfolgen muss, da der Druck zurückgegangen ist. Meine Sprache ist auch besser geworden, Und ich habe sogar eine 2 Portion Frühstück verlangt. Na ja hatte einen Tag nur Tropf. Da hat man Hunger. Meine Familie kommt zu besuch, ich weine. Aber ich gebe nicht auf. Jeden Tag besucht mich meine Frau. Mal mit Ihren Eltern ,mal mit meinen. Mit jedem Tag geht es mir besser. Nach ca. 1 Woche zieht sich mein Gesicht zurück. Mein linker Arm und das linke Bein wurden ordentlich von einem Krankengymnasten trainiert. Langsam beginne ich wieder zu laufen. Ich wankele zwar, aber ich stehe und laufe! Immer ein bisschen mehr, mit vielen Ruhepausen . Ich ziehe das linke Bein hinterher und meine Schulter hängt. Die Feinmotorik ist im linken Arm total weg. Ich habe ja rechts noch. Aber das laufen kann mir niemand mehr nehmen. Ich schaffe das.
Nach 3 Wochen Aufenthalt in Hamburg bekomme ich eine schlimme Nachricht. Meine Frau hat im 6 Monat eine Schwangerschafts- Vergiftung. Nein; auch das noch. Ich bitte um Verlegung in eine nähere Klinik um dichter bei meiner Frau zu sein. 25 Km auseinander liegen meine Frau in der einen und ich in der anderen Klinik. Von nun muss meine Frau noch mehr liegen und muss jede 2 Woche für eine Woche ins Krankenhaus. Nach einer Woche Klinik werde ich entlassen und darf nach Hause zu meiner Frau. Sie hat einen schönen Kugelbauch bekommen.
Ich bin froh, uns allen geht es dem Umständen entsprechend gut. 1 Woche zuhause und danach komme ich in die Reha nach Soltau. Meine Frau wieder in die Klinik nach Rotenburg. In Soltau bekomme ich viele Anwendungen, reden und laufen klappt wieder ziemlich gut. Das Gesicht ist wieder völlig normal. 4 Wochen Kur haben mir prima geholfen. Weihnachten zuhause. Schön …. Dann im Januar wird meine Tochter geboren. Sie ist kerngesund. Ja, wir haben es geschafft. Meine Frau und unsere Tochter sind wohlauf. Ich auf dem Weg der Besserung. Wir genießen die Babyzeit. Mitte September 2001 war ich soweit wieder hergestellt, das ich wieder langsam in meine Tätigkeit als Schlachter eingegliedert wurde. Das normale Leben geht weiter- ca. 4 Jahre lang. Dann im Oktober 04, mir kommt es so vor, als ob mein linker Arm immer schwächer wird. Im allgemeinen fühle ich mich schwach. Ich bekomme Kopfschmerzen. Vielleicht eine verschleppte Grippe? Der Arzt ist vorsichtig und schickt mich sicherheitshalber wieder ins Krankenhaus ein zweiter Schlaganfall bestätigt sich zum Glück jedoch nicht. Nach Aufenthalt von 1 Woche und vielen Tests zur Vorsorge werde ich aus der Klinik entlassen. Doch das war nicht der letzte Schicksalsschlag. Am 10-11-04 zwei Tage vor meinen Geburtstag sollte etwas wieder unser komplettes Leben verändern.
Es ist der 10-11-04 , in 2 Tagen feiere ich meinem Geburtstag. Wir haben einen Pavillion aufgebaut ,einen Heizstrahler besorgt. Es soll Glühwein geben. Alles ist vorbereitet. Ich sitze unten bei Schwiegereltern im Wintergarten. Meine Frau bringt unsere Tochter ins Bett .Ich will auch Gute Nacht sagen gehen, doch meine Beine wollen nicht gehorchen.
Torkelnd gehe ich die Treppe hinauf. Im Flur oben angekommen stürze ich nach rechts, reiße ein Bild mit. Ich liege im Flur auf dem Fußboden. Meine Frau reagiert sofort. Sie rennt nach unten, Ihre Mutter soll den Notarzt verständigen. Sie kommt schnell zu mir zurück, hilft mir auf den Sessel. Ich will keinen Notarzt. Es soll nichts passiert sein. Nein ,keinen Notarzt, ich will übermorgen ganz normal meinen Geburtstag feiern.
Ich sehe die blauen Flackerlichter. Der Notarzt und Krankenwagen sind da. Sie setzen mich auf den 2 Sitzer in der Stube, damit sie mehr Platz haben. Ich bekomme wieder nur alles in einem Dämmerzustand mit. Meine Frau erklärt dass ich vor 4 Jahren schon einen Schlaganfall hatte und welche Medikamente ich bekomme. Die Notärztin überlegt kurz und ich bekomme eine Injektion gespritzt. Ich habe die Augen geöffnet, doch da bin ich nicht.Ich werde in den Krankenwagen getragen. Schwierige Situation, unser Treppenhaus ist ziemlich eng. Von der Fahrt ins Rotenburger Krankenhaus bekam ich nichts mit. Meine Frau und meine Schwiegereltern fuhren hinterher ins Krankenhaus .Meine Eltern durchmachen auch wieder die Hölle durch die 3 Stunden Anfahrt aus Holland.
Ich bin in der Notaufnahme. Mir ist kalt und ich bin müde. Ich wurde schon ins CT geschoben um heraus zu finden, was jetzt wieder mit mir geschehen ist.Der Verdacht bestätigt sich schnell. Der 2 Schlaganfall mit 31. Doch diesmal in der linken Hirnhälfte, so dass die Ausfälle auf der rechten Seite sind. Das schlimme ist ,das die linke Hirnhälfte das Stammhirn (Gedächtnis), Sprache betrifft. Na prima nun habe ich ein lahme ,linke Seite und einen frischen Schlaganfall der auch noch die rechte Seite betrifft. Meine Sprache ist sehr langsam und schlecht. Ich kann mich nicht konzentrieren ,höre mitten im Satz auf zu sprechen. Mein rechter Arm will auch nicht funktionieren. Aber wenigstens zeigt mein rechtes Bein Reflexe. Ich komme auf die Stroke Unit. Will nur noch schlafen. Der nächste morgen ist die Hölle.
Warum wieder ich. Jetzt beide Seiten. Meine Eltern und meine Frau kommen. Meine Sprache hat sich verschlechtert. Kein gutes Zeichen. Das merkwürdige ist aber das mit einmal der linke Arm besser wieder funktioniert, der ja vorher gar nicht mehr wollte. Ich will testen zu stehen. Doch die Ärzte verbieten es. Ich übe heimlich. Morgen am 12-11-04 ist mein Geburtstag. Ich will laufen. Der Arzt sagte das dieser Schlaganfall, dadurch das schneller gehandelt wurde,geringer ausgefallen sei, aber schlecht ist halt ,daß das Gedächtnis in Mitleidenschaft gezogen wurde. Schritt für Schritt wanke ich durchs Zimmer. Die Schwester hat mich erwischt aber nichts gesagt. Der 12-11-04 mein Geburtstag, das größte Geschenk ist das ich noch lebe. Obwohl unter welchen Umständen… Meine ganze Familie kommt ,will mich überraschen.
Ich habe auch eine Überraschung für sie. Meine Frau verziert in der Empfangshalle noch schnell einen Kuchen mit Kerzen und will sie gerade anzünden, da stehe ich in der Empfangshalle. Alle weinen. Am meisten ich. Es ist mir peinlich, aber ich bin stolz ,2 Tage nach meinem 2 Schlaganfall den endlos langen Flur entlang zu gehen. Meine Sprache ist wieder da, aber ich bin unsicher mit der Wortwahl. Daher kommen lange Pausen im Satz vor. Ich verbringe 3 Wochen in der Klinik. Mein Zustand bessert sich stets durch viel üben und dadurch daß ich nicht aufgebe. Es stellt sich heraus dass ich eine cerebrale Vaskulitis habe. Eine Gewebeerkrankung im Kopf. Die Schlaganfälle kommen nicht einfach so sondern durch eine Geweebeenzündung im Kopf. Unheilbar, aber ein Medikament soll mir helfen , mein Immunsystem stärker gegen diese Entzündung zu machen. Im Gegenzug aber schlechter gegen z.B. Grippeviren zu funktionieren. Im Klartext: Ich bin empfänglicher für Krankheiten die ein normaler, gesunder Mensch in ein paar Tagen wecksteckt. Doch ob diese Tablette wirklich hilft, dafür legt kein Arzt die Hand ins Feuer. Nach den 3 Wochen Klinikaufenthalt darf ich für eine Woche nach Hause.
Dann komme ich für 3 Wochen nach Soltau in die Reha. Ich bekomme unheimlich viele Therapien. Ergotherapie, Krankengymnastik, Schwimmen, Hirnleistungstraining, Stangerbad und Muskelaufbautraining haben mich soweit wieder hin bekommen das ich mich besser fühle. Heute bin ich ungefähr 11 Monate krank zuhause. Zurückbehalten habe ich Schluckbeschwerden, Feinmotorik des linken Armes funktioniert nicht, das linke Bein zeigt Gefühlseinschränkungen. Die Hüfte ist in Mitleidenschaft gezogen, knickt beim gehen stark ab und verursacht Schmerzen. Der Psychische Zustand ist schlecht Na ja nach 2 Schlaganfällen und der Gewissheit, nie wieder gesund zu werden…Aber ich danke allen ,die sich so für mich und meine Gesundheit eingesetzt haben. Und vor alledem der Rückhalt in meiner Familie und bei Freunden. Alle haben mich unterstützt, mich nie im Stich gelassen und immer an mich geglaubt. Ich kann nur sagen, dass so auswegslos die Lage auch erscheint, man darf sich nie aufgeben.
Im März 2007 wollte ich mit einem Freund ins UKE nach HH , da er dort eine Untersuchung hatte. Mir war an diesem morgen schon komisch...mein Ohr tat weh und ich hatte probleme einen Brechreiz zu unterdrücken.Mein Freund war in Behandlung , ich wartete im Auto , hatte tierische Kopfschmerzen , dachte mir nichts dabei.Ich habe mich sogar übergeben.Gegen mittag war ich zurück und habe meiner Frau gesagt ich müsse mich hinlegen , mir gehts nicht gut.Bin auch schnell eingeschlafen.Bis ich auf einmal erschrak , meine Frau stand vor mir , ich hatte nichts gehört , aber sie bewegte den Mund.Ich schrak hoch und hörte sie reden aber nur mit dem rechten Ohr.....Oh nein...Meine Frau erkannte den ernst dieser Sache und rief einen Krankenwagen.Der forderte gleich einen Notarzt nach , da von einem neuen Schlaganfall ausgegangen werden muss.Ich landete im Diako in ROW. Dort sollte es sich dann um einen Hörsturz handeln , so das ich auf der HNO landete.Später stellte sich heraus das es kein Hörsturz war sondern ein Schlaganfall der im Ohr stattgefunden hat.Somit war ich auf der HNO deutlich verkehrt gelandet , da alles als sehr alltäglich gehandhabt wurde.Bis heraus kam das es ein SA war.Heraus gekommen ist dies aber nur da ich durch meinen Facharzt ( ich war schon entlassen worden) durch ein CT geschickt wurde.Er erkannte den Ernst dieser Situation und handelte sofort. Ich bekam ab Ende März ENDOXAN Therapien ( Chemo) für ein halbes Jahr . Diese sollen bewirken , das mein Körper total "runtergefahren " wird , sich alles neu orientieren kann. Mein Körper meint es seien gewisse Teile im Körper die da nicht hin gehören , und darauf versucht er dagegen zu kämpfen , obwohl es nicht richtig ist. Daraufhin entstehen hochgradige Entzündungen die bei mir die SA auslösen.Nun wissen wir wenigstens warum ich andauernd SA bekomme.Das Problem bei mir ist das man vorher nie Warnsignale erhält , z.B. durch schlechte Blutwerte , man merkt es praktisch erst wenn es soweit ist und ich wieder einen SA hatte.Nunja, die Chemo war NICHT angenehm , ich mußte mich ständig übergeben.Und ich habe aufgrund des SA im Ohr einen Tinnitus behalten.Ich wurde nach der Chemo (Okt.2007) auf ein anderes Medikament umgestellt , welches ich mir wöchentlich spritzen muss , da mein altes Medikament ja nicht genug Schutz bot mich vor einem erneuten SA zu schützen.Ich hoffe , das dieses Medikament mir hilft das so etwas NIE wieder passieren muss , denn aufgrund meiner angekratzten Psyche bin ich auch auf hoch dosierte Anti-Depressiva eingestellt worden.Nach anraten meines Facharztes sollte auch die Rente eingereicht werden , was im Mai 2007 geschah.Ich hoffe das alles klappt, denn noch mehr Einbußen überstehe ich nicht.....
Nicht behindert zu sein, ist kein Verdienst,
sondern ein Geschenk, das uns jederzeit genommen werden kann